Keine Nullquote in der Informationswissenschaft
Dienstag, 20. Juni, 2006Ich hatte ja schon vor ein paar Monaten von der drohenden Einstellung des Studiengangs Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes berichtet — lange Zeit sah es so aus, als sei das Schicksal des Fachs besiegelt. Nachdem der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät III im Februar zunächst eine “planerische Nullquote” für den Studiengang beantragt hatte, hat im Mai jedoch zunächst der Studienausschuss und in der letzten Woche nun auch das Präsidium der Universität eine Nullquote abgelehnt. Dieser Entscheidung ging intensive Lobbyarbeit seitens der Fachschaft, von Studierendenvertretern und diversen Medien im Saarland in den vergangenen Monaten voraus. Es kommt nicht oft vor, dass eine Entscheidung eines Fakultätsrates von höheren Uni-Gremien zurückgewiesen wird.
Interessenten können sich nun also wieder für das Magisterstudium Informationswissenschaft einschreiben – wohl diesmal wirklich zum letzten Mal. Wie zuvor kann das Studium nur im Wintersemester aufgenommen werden, gleichfalls existiert wie jedes Jahr nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen. Die Anmeldefrist endet wohl bereits am 15. Juli 2006 – es ist also Eile geboten. Nähere Informationen zur Studienplatzbewerbung gibt’s auf den Webseiten der InfoWiss und beim Studierendensekretariat.
Der bisherige (seit 1980) Lehrstuhlinhaber Professor Zimmermann wird zum 30. September pensioniert. Seine Stelle wird bis auf weiteres vertreten durch einen noch bekanntzugebenden externen Professor. Die längerfristige Zukunft des Studiengangs ist jedoch unklar. 2007/08 steht auf jeden Fall die Einführung von Master/Bachelor Studiengängen bevor, spätestens dieser Termin fordert eine Neuorientierung des Studienfachs. Derzeit gibt es zwei Modelle: Eines sieht die Integration des Lehrstuhls in einen neuen Studiengang “Bildungswissenschaft” vor. Auf der anderen Seite wird ein Konzept diskutiert, das eine Angliederung der Informationswissenschaft an die Fachrichtungen Informatik, Wirtschaftsinformatik und Computerlinguistik vorsieht. Letzteres Konzept wurde vor allem von dem Computerlinguisten Prof. Uszkoreit entworfen. Für alle Studierende des bisherigen Studiengangs (auch diejenigen, die sich im WS einschreiben) gilt aber auf jeden Fall eine so genannte “Bestandsgarantie”, die sicherstellen soll, dass diese Studierenden ihr Studium ordnungsgemäß nach dem aktuell gültigen Modell durchführen können.
Der kommissarische Präsident der Saar-Uni, Professor Rolf Hartmann, wird in der Saarbrücker Zeitung mit den Worten zitiert: Jetzt haben wir den Wettbewerb der besten Ideen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch wirklich das beste Konzept durchsetzt.
